S3 - Themenorientierung im Unterricht

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Das Profil

Im Schwerpunkt 3 werden Initiativen begleitet und gefördert, die eine veränderte Unterrichtsgestaltung –traditionelle Inhalte unter neuen Blickwinkeln – erproben und sich mit aktuellen fachdidaktischen Unterrichtskonzepten auseinander setzen. Über die allgemeine Fragestellung – „Welche didaktischen Konzepte (Designs, Arrangements, Gestaltungen) unterstützen und begünstigen den Erwerb zentraler Kenntnisse und Kompetenzen in den Naturwissenschaften?“ – hinaus, können
folgende Schwerpunktsetzungen in S3 vorgenommen werden: Zur Weiterentwicklung des Unterrichts tragen im Schwerpunkt 3 daher folgende Überlegungen und Fragestellungen bei:

Themenstellungen
Ein Thema ist mehr als ein Lehrplaninhalt oder eine Überschrift in einem Lehrbuch, ein Thema ist mehr als die Sache an sich. Eine Sache, ein Inhalt muss erst zum Thema gemacht werden, indem zum Beispiel eine Erklärung, eine Absicht, ein Ziel oder ein Impuls hinzu gefügt wird.


Wie werden Lehrplaninhalte „verpackt“, um Lernen zu initiieren, Interesse zu wecken und Motivation auszulösen?
Mit welchen „Überschriften“ kann man Schülerinnen und Schüler locken, sich mit den vorgesehenen Inhalten auseinander zu setzen?


Fachinhalte
Themenorientierte Unterrichtsgestaltung richtet sich nach dem altersgemäßen Vorwissen und nach den persönlichen Vorerfahrungen von Schülerinnen und Schülern und geht auf ihre aktuellen Probleme ein. Themenorientierte Unterrichtsgestaltung setzt fachliches Wissen in Beziehung zur Lebenswelt der Lernenden.


Wie werden Fachinhalte aus verschiedenen Blickwinkeln anders zusammengesetzt, um für Schülerinnen und Schüler einen sinnstiftenden Kontext herzustellen? Wie wird Wissenskonstruktion im eigenen Wissensnetz ermöglicht? Wie werden innere Stoffverbindungen anders als nach der Fachsystematik aufgebaut?
Welche Fachmethoden eignen sich, in Zusammenhang mit welchen Inhalten, um von Schülerinnen und Schülern als für sie bedeutsam erkannt zu werden?
Welche Fragestellungen sind zum ausgewählten Thema, für die betreffenden Schülerinnen und Schüler günstig, um sich eine Meinung zu bilden, Einstellungen zu äußern?
Wie können geschlechtsspezifische Vorlieben oder Abneigungen berücksichtigt werden?

Lehrplan
Die Lehrpläne richten sich nach aktuellen fachdidaktischer Prinzipien und Konzepte und sie berücksichtigen die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien. Anforderungen und Komplexitätsgrad von Aufgabenstellungen werden im Rahmen der Lehrplanziele auf den Wissens- und Erfahrungsstand der Schülerinnen und Schüler abgestimmt.


Welches Unterrichtsdesign entspricht den Spezifika der neuen Lehrpläne?
Mit welchen Unterrichtsarrangements werden die Ziele der jeweiligen Ebene (allgemein pädagogische, fachdidaktische, fachliche Ebene) erarbeitet? Welche der Zielrichtungen finden besondere Beachtung: Fachwissen aneignen und anwenden, Fachfertigkeiten oder allgemeine Fertigkeiten üben und einsetzen, Einstellungen und Meinungen artikulieren?


Fachübergreifender Unterricht
Fachübergreifender Unterricht – innerhalb der naturwissenschaftlichen Fächer oder fachübergreifend mit anderen Fächern – bedarf einer speziellen Zielsetzung entsprechend seiner Form. Die Vielfalt der möglichen Bezüge von beteiligten Fächern äußert sich für diese Zusammenarbeit in der Vielzahl der Begriffe für fachübergreifenden naturwissenschaftlichen Unterricht: fachüberschreitend, fächerverbindend, fächerkoordinierend, fächerergänzend und integriert. Die jeweilige Form ergibt sich aus der Akzentuierung der an einer Themenstellung beteiligten Fächer und wird für die jeweilige Zielsetzung definiert.


Welche Form der Zusammenarbeit der Fächer wird angestrebt, welche Akzente werden gesetzt? Welches gemeinsame Ziel und welche fachinternen Ziele werden verfolgt?

Sprache und Begriffsbildung
Die klare Trennung in Alltags- Fach- und Wissenschaftssprache trägt zu einer konkreteren Begriffsbildung bei, ebenso das Aufgreifen unterschiedlicher Ausdrücke für ein und denselben Begriff in den einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen. Die Unterstützung von Begriffsbildung mit Hilfe von Symbol- und Bildvorstellungen fördert den Aufbau eigener Wissensnetze. Geeignete Mittel hiezu sind unter anderem Mappingmethoden wie Mind Mapping und Concept Mapping oder auch selbstgestaltete Karteikarten.


Welche Methoden werden eingesetzt, um die Begriffsbildung zu fördern?
Wie viel Aufmerksamkeit wird der Trennung in Alltags- und Fachsprache gewidmet?
Auf welche Art und Weise werden unterschiedliche Ausdrucksformen und Ausdrucksmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler aufgegriffen.
Wie kommen Texte und Aufgabenstellungen zum Einsatz, welche Bücher sind wofür geeignet?
In welcher Form können geschlechtsspezifische Unterschiede in der Verwendung von Alltags- und Fachsprache so wie in der Fähigkeit zur Begriffsbildung beachtet werden?

Alltagsvorstellungen
Die Erhebung von Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler (Alltagsvorstellungen) zu Begriffen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen sowie Abläufen, Modellen etc. bringt interessante Aufschlüsse, die wesentlich zur Unterrichtsentwicklung und -gestaltung und somit zu einem besseren Lernerfolg beitragen kann. Herausfinden von und Bedacht nehmen auf Misconceptions (Fehlvorstellungen) und erfolgte oder vermutete Conceptuell Changes (Konzeptwechsel) können für eine Unterrichtsuntersuchung herangezogen werden. Mit Bedacht auf geschlechtsspezifische Unterschiede und eventuell damit einhergehenden Ausschlussmechanismen können derartige Untersuchungen aufschlussreiche Aspekte für die Weiterentwicklungen von Unterricht bringen.


Mit welchen Methoden werden die Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern erhoben? Wie wird mit den Ergebnissen weitergearbeitet?
Welchen Einfluss haben derartige Erhebungen auf die künftige Unterrichtsplanung?
Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede fallen auf?



Koordinatorin: Amrhein Renate
Mitarbeiter/innen: Grinner Karin, Jaklin Johannes


Literaturangaben für Schwerpunkt 3

GASSER, P.: Neue Lernkultur – Eine integrative Didaktik. Sauerländer Verlag, Aarau, 2002.

HÄUßLER, P., DUIT, R. et al(t).: Perspektiven für die Unterrichtspraxis. IPN, Kiel 1998.

KLEIN, K./ OETTINGER, U.: Konstruktivismus, Die neue Perspektive im (Sach-) Unterricht. Schneider Verlag, Hohengehren 2000.

PETERSSEN, W. H.: Lehreraufgabe Unterrichtsplanung – Das Weingartner Planungsmodell. Oldenbourg Verlag, München, 2003.

PETERSSEN, W. H.: Kleines Methoden-Lexikon. Oldenbourg Verlag, München 2001.

UNRUH, T. / PETERSEN, S.: Guter Unterricht – Handwerkszeug für Unterrichts-Profis. AOL Verlag Lichtenau 2003. Für Studierende, für Referendare, für Mentoren und Anleiter, die kompetent mitreden wollen, und für „alte Hasen“, die immer noch gerne unterrichten. Mit vielen Weblinks.

Zeitschriften:
Unterricht Biologie/Chemie, Friedrich Verlag, Seelze.
Naturwissenschaften im Unterricht Physik, Friedrich Verlag, Seelze.

Links:
www.gemeinsamlernen.at: Internetplattform des bm:bwk. Eine Initiative zur Kultur des Lernens und Unterrichtens

Februar 2005
Renate Amrhein, Karin Grinner, Johannes Jaklin