S2 - Grundbildung und Standards

Anmeldung zu den Workshops
(nur für Lehrkräfte, die im Schuljahr 2006/07 ein Projekt eingereicht haben)


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Grundbildung beinhaltet die Bereitschaft und Fähigkeit zu lebensbegleitendem Lernen und die sachlich fundierte Übernahme von Verantwortung für sich und die Gesellschaft. Mathematisch-naturwissenschaftliche Grundbildung bedeutet, dass Menschen mit den grundlegenden Konzepten der Naturwissenschaften und der Mathematik vertraut sind. Sie ermöglicht die Kommunikation mit Expert/innen und die Bewertung und Berücksichtigung von deren Aussagen bei persönlichen und gesellschaftlichen Entschei­dun­gen.

Unterrichtsentwicklung unter dem Grundbildungsaspekt bedeutet die Auseinandersetzung mit den Fragen:

WAS sollen Schüler/innen können? Welches Wissen und welche Fähigkeiten sollen sie während ihrer Schullaufbahn erworben haben, und wie sollen sie damit umgehen können?

WIE sollen Schüler/innen lernen, damit ihnen über die Schulzeit hinaus solides mathematisches und naturwissenschaftliches Grundwissen verfügbar bleibt und sie Kompetenzen erwerben, sich eigenständig weiterzubilden. Wie kann Unterricht gestaltet werden, um Schüler/innen dabei optimal zu unterstützen?

WARUM werden gerade diese Inhalte und Kompetenzen als unverzichtbar für die Grundbildung angesehen?
WARUM verspricht man sich gerade von diesen Methoden den gewünschten Erfolg?

Zur Beantwortung der obigen Fragen wurden Leitlinien entwickelt, die zur Auswahl und Begründung von Inhalten und Methoden dienen können:

Inhaltliche LeitlinienMethodische Leitlinien
  • Weltverständnis
  • Kulturelles Erbe
  • Alltagsbewältigung
  • Gesellschaftsrelevanz
  • Wissenschaftsverständnis
  • Berufliche Orientierung und Studierfähigkeit
  • An Voraussetzung der Schüler/innen anknüpfen
  • An authentischen Problemen und anwendungsbezogen lernen
  • Erfahrungsgeleitet lernen
  • Wissen in verschiedenen Kontexten anwenden lernen
  • In sozialem Umfeld lernen
  • Mit instruktionaler Unterstützung lernen
Zur Illustration seien hier beispielhaft die Beschreibungen von zweien dieser Leitlinien und Fragen, die man sich im Zusammenhang damit stellen kann, angeführt. Für intensivere Beschäftigung sei auf die zitierte Handreichung verwiesen.

Gesellschaftsrelevanz
Die Schüler/innen sollen motiviert und befähigt werden, sich an Entscheidungen in der Gesellschaft zu beteiligen. Einsicht in und Verständnis für die gesellschaftliche Relevanz der Mathematik und der Naturwissenschaften müssen ein wesentliches Ziel des Unterrichts sein. Zentrale Kompetenzen für die Mitgestaltung einer modernen Gesellschaft – wie die kritische Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Positionen und Expertenmeinungen – müssen erlernt werden. Sie befähigen zu rational begründeten Entscheidungen und Handlungen.

Fragen:
Für welche öffentlichen Diskussionen werden die Jugendlichen bei der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema sensibilisiert und vorbereitet? Warum ist es wichtig, gerade bei dieser gesellschaftlichen Frage und Problemstellung ihre Meinungsbildung und Entscheidungsfähigkeit zu schulen? Inwiefern lernen die Schüler/innen bei der Bearbeitung des Themas kontroversielle Meinungen und Stand­punkte kennen und gegen einander abzuwägen? Inwiefern werden sie dazu angeleitet, ihre Vorstellungen gleichermaßen selbstkritisch wie überzeugend zu verteidigen? Welche handlungsrelevanten Lösungsmöglichkeiten werden diskutiert und erprobt?

An authentischen Problemen und anwendungsbezogen lernen
Ausgangspunkt für Lernen sollen realistische und relevante Probleme sein, welche die Schülerinnen und Schüler aus ihrem eigenen, individuellen Umfeld kennen und die dazu motivieren, neues Wissen und neue Fähigkeiten zu erwerben. Durch diesen Anwendungsbezug erhalten die Schüler/innen vermehrt die Möglichkeit vielfältige und realitätsnahe Lernerfahrungen zu machen. Der Komplexitätsgrad der Aufgabenstellung muss auf den Wissens- und Erfahrungsstand der Schülerinnen und Schüler abgestimmt sein, um Überforderung zu vermeiden. Maximal realisiert wird solch ein Anspruch, wenn Lernende in eine authentische Situation versetzt werden, die reales Handeln erfordert. Eine minimale Realisierung kann durch eine Anknüpfung an aktuelle Probleme, authentische Fälle oder persönliche Erfahrungen gewährleistet werden, wenn neue Inhalte dargeboten werden.

Fragen:
Suchen Sie bei der Unterrichtsplanung nach Themen bzw. Problemstellungen, von denen Sie erwarten, dass sie für Ihre Klasse relevant, altersadäquat und „aus ihrem Leben gegriffen“ sind? Können die Schüler/innen aktuelle Fragestellungen aus ihrer Lebenswelt artikulieren und im Unterricht thematisieren? Bieten die Themen individuelle Anknüpfungspunkte an verschiedenen Perspektiven und Vorerfahrungen?
Werden Problemstellungen aus dem Schulalltag, der Gemeinde, dem Stadtteil aufgegriffen und Ergebnisse, die die Schüler/innen dazu (z.B. in Projekten) erarbeitet haben, auch bekannt gemacht und umgesetzt?

Die schulpraktische Umsetzung von neuen fachdidaktischen Konzepten soll ebenso gefördert werden wie die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Leistungsbeurteilung und deren Weiterentwicklung.

Interdisziplinarität und Vielfalt in den Zugängen zu den Inhalten sind wichtige Elemente einer förderlichen Unterrichtskultur und sollen daher im Schwerpunkt Grundbildung besonders beachtet werden.

Zur Erprobung von Standards, die als verallgemeinerte Lernziele angesehen werden können, sollen auf der Basis des Grundbildungsgedankens geeignete Aufgaben entwickelt werden. Die Schnittstellenproblematik, der Wechsel zwischen Schulstufen, Schultypen und Ausbildungsformen sowie schultypenspezifische Fragestellungen sind weitere Themen, die den Schwerpunkt betreffen. Nicht zuletzt kann die Beschäftigung mit MNI-Grundbildung einen wichtigen Beitrag zur Schulentwicklung leisten.

Koordinatorin: Schuster Angela
Mitarbeiter/innen: Grosser Notburga, Pitzl Robert